Wie schöpferische Zerstörung die Arbeitswelt verändert
Der Begriff der schöpferischen Zerstörung klingt erst einmal ziemlich hart. Doch was hat es damit auf sich? Wir erklären dir das Prinzip.
Der Begriff der schöpferischen Zerstörung klingt erst einmal ziemlich hart. Doch was hat es damit auf sich? Wir erklären dir das Prinzip.
Innovationen verändern unsere Welt – manchmal schleichend, manchmal mit voller Wucht. Das Konzept der schöpferischen Zerstörung, geprägt vom Ökonomen Joseph Schumpeter, beschreibt genau diesen Wandel: Altes macht Platz für Neues, und das treibt Fortschritt und Wachstum an. Doch was bedeutet das konkret für unsere Arbeitswelt und Unternehmen? Gerade in Zeiten wie der Corona-Krise, die Veränderungen rasant beschleunigt hat, wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich flexibel anzupassen und Innovationen zuzulassen. In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie schöpferische Zerstörung funktioniert, welche Chancen und Risiken Innovationen mit sich bringen und warum sie entscheidend für eine erfolgreiche Zukunft sind.
Der Begriff schöpferische Zerstörung wurde von dem Ökonomen Joseph Schumpeter geprägt. Unter der schöpferischen Zerstörung versteht er die Zerstörung alter Märkte und in diesen aktiver Player durch Innovationen. Dabei kann es sich um neue Technologien, Methoden, Geschäftsmodelle, Dienstleistungen oder Produkte handeln. Einige Beispiele für die schöpferische Zerstörung:
Häufig verschwinden nicht nur die alten Produkte vom Markt, sondern auch deren Hersteller:innen. Es gibt jedoch auch immer wieder Unternehmen, die die aktuellen Strömungen erkennen und sich entsprechend anpassen. Wem eine solche Anpassung gelingt, der:die schafft es häufig auch, sich weiterhin Marktanteile zu sichern. Joseph Schumpeter kam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu dem Schluss, dass sich die Märkte und Volkswirtschaften nicht statisch entwickeln, sondern eine dynamische Entwicklung stattfindet. Einzelne Produkte oder Dienstleistungen werden also nicht in kleinen Schritten verbessert und verfeinert, sondern innovative Ideen sind der Brennstoff der Marktwirtschaft. Innovationen und Risikofreude können für Unternehmen wichtige Schlüssel zum Erfolg sein. Die schöpferische Zerstörung ist laut Schumpeter die treibende Kraft des Kapitalismus. Sie sorgt dafür, dass es weiterhin Wachstum und Fortschritt geben und nachhaltiger Wohlstand generiert werden kann. Daraus lässt sich Folgendes schließen:
Innovationen und Veränderungen werden von vielen Menschen nicht immer freudig begrüßt. Wir bleiben gerne beim Bewährten. Wir mögen Gewohnheiten und verharren gerne, wenn es sich soweit gut anfühlt. Allerdings gibt es ohne Entwicklung kein weiteres Wachstum, und darauf baut der Kapitalismus auf. Wenn ein Unternehmen ein Produkt hat, das eigentlich auf dem Markt gut läuft und sich dann darauf ausruht, kann es schnell von Wettbewerber:innen überholt werden, wenn das Produkt der Konkurrenz etwas völlig Neues bietet oder eine Evolution des bisherigen Produkts darstellt. Ob das gut ankommt, weiß die Konkurrenz natürlich vor allem im ersten Fall nicht. Aus diesem Grund sind Innovationen auch immer ein Risiko. Sie gehören zu den unternehmerischen Risiken, die Firmen eingehen müssen, wenn sie als Unternehmen langfristig bestehen möchten.
Wenn ein Unternehmen Kutschen herstellt – und seien es die besten, schönsten und sogar günstigsten Kutschen, die überhaupt zu bekommen sind –, nutzt das diesem Unternehmen überhaupt nichts, wenn die Konkurrenz Autos auf den Markt bringt. Kutschenhersteller können dann noch so viel in Werbung und Marketing investieren, sie werden von den Autoherstellern einfach überrannt.
Für Führungskräfte ist es daher wichtig, immer wieder auch Innovationen zuzulassen und Risiken einzugehen. Dabei gehört es nicht zum unternehmerischen Denken und Handeln, einfach jedes Risiko in Kauf zu nehmen, sondern diese zu analysieren und möglichst kontrolliert vorzugehen. In unserer heute so schnelllebigen Zeit, in der Veränderungen zur Tagesordnung gehören, müssen sich auch Unternehmen anpassen. Entweder sie reagieren lediglich auf diese Veränderungen oder sie versuchen, den Markt aktiv mitzugestalten.
Das Konzept der schöpferischen Zerstörung ist für moderne Unternehmen also so aktuell wie noch nie zuvor.
Joseph Schumpeter hat das Konzept der schöpferischen Zerstörung bereits vor vielen Jahrzehnten entwickelt. Derzeit sieht es so aus, als könne die Corona-Krise diesen Prozess noch zusätzlich beschleunigen. Insbesondere die digitale Entwicklung wurde durch die Corona-Krise und den Aufruf zur Vermeidung von Kontakten regelrecht befeuert. Es hat fast den Anschein, als befänden wir uns in dem dynamischen Chaos, welches Schumpeter beschrieben hat. Und seit einigen Jahren dominiert auch der Klimawandel immer mehr die Schlagzeilen.
Fakt ist: Corona hat die Entwicklung der Arbeitswelt 4.0 deutlich beschleunigt. Immer mehr Menschen saßen die letzten Jahre immer öfter im Homeoffice, und selbst wenn vor allem größere Unternehmen inzwischen wieder erpicht darauf sind, ihre Mitarbeiter:innen ins Büro zurückzuholen, gehören Videocalls und Webinare mehr denn je zum Arbeitsalltag. Die Corona-Krise hat sich bereits in vielen Bereichen bemerkbar gemacht. Zeitweise ist von einer "neuen Normalität" die Rede. Wie genau diese "neue Normalität" aussehen mag, ist vielleicht ungewiss, aber es scheint sicher zu sein, dass es kein "back to normal" mehr gibt – zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Der Wandel von offline zu online wird jetzt noch mehr beschleunigt. Teamwork, Informationsaustausch und Beschaffung von Informationen erfolgen vermehrt online, und selbst Beratungs- und Verkaufsgespräche finden zunehmend online statt. Die ersten Geschäfte in den Innenstädten schließen und laden zum Räumungsverkauf. Dagegen boomt der Onlinehandel. Wer hier nicht mithalten kann, wird schnell abgehängt. Die schöpferische Zerstörung scheint derzeit in vollem Gange zu sein.
Auch die Verbindung zwischen der digitalen Transformation und dem Klimawandel wird immer deutlicher: Onlinearbeit, Homeoffice und virtuelle Meetings reduzieren beispielsweise den Bedarf an Pendelverkehr und Geschäftsreisen, was den CO₂-Ausstoß senkt. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach umweltfreundlichen Technologien, klimaneutralen Produktionsprozessen und ressourcenschonenden Geschäftsmodellen. Der Klimawandel wirkt hier als Katalysator für eine "grüne schöpferische Zerstörung", bei der neue Innovationen entstehen und gleichzeitig alte, nicht nachhaltige Praktiken verdrängt werden.
Auf der anderen Seite verschlingt der riesige Rechenbedarf für KI-Lösungen in vielen Regionen der Welt enorme Ressourcen und sorgt für erhöhten Ausstoß an Treibhausgasen, während rechtspopulistische politische Parteien und Bewegungen mit zunehmendem Erfolg gegen klimafreundliche Lösungen für den Energiebedarf, Elektroautos und vieles mehr, das den alten Status quo (vermeintlich) zu gefährden droht. Hier steht eine Entscheidung darüber, welche Seite sich langfristig durchsetzt, noch aus – allerdings mit möglicherweise verheerenden Folgen für viele Bevölkerungsgruppen des Planeten, die besonders unter dem Klimawandel leiden werden oder dies bereits tun.
Die schöpferische Zerstörung lehrt uns, dass wir in unserer Wirtschaft allgemein mehr auf Wettbewerb und Marktmechanismen setzen sollten. Unternehmen sollen sich entwickeln können. Eine Überregulierung durch die Politik wird als kritisch gesehen. Innovationen sind immer ein Risiko, aber sie bieten auch eine große Chance, die zukünftigen Märkte mitzugestalten. Wer sich nicht weiterentwickelt, keine Risiken eingeht und sich nicht an Innovationen traut, wird langfristig wahrscheinlich nicht bestehen können. Andererseits steht gerade jetzt die Bedrohung durch den Klimawandel zunehmendem Erfolg rechtspopulistischer Agitator:innen gegenüber, die der Innovationskraft in diesem Gebiet den Wind aus den Segeln zu nehmen drohen. Besonders auf diesem Gebiet bleibt es also spannend, welche Seite sich durchsetzen wird und was die Folgen dieses auch auf ideologischer Ebene ausgetragenen Kampfes sein werden.